Bhalil

 

Herzlichst werde ich bei meinen Gastgebern aufgenommen und bekomme einen schönen privaten Stellplatz mit genügend Auslauf für meine Hunde.

 

Ein bezauberndes Städtchen, nahe Sefrou, auch in marokkanischer Hand. Dennoch oder gerade deshalb sehr  aufgeschlossen und hilfsbereit Fremden gegenüber.

 

Frühmorgens breche ich auf, um die Stadt zu entdecken. Im Gegensatz zu Sefrou, wo die Einheimischen eher uninteressiert waren, grüßen mich hier alle und wollen ins Gespräch kommen, ich auch. Oder vielleicht ist es auch anders, weil ich alleine unterwegs bin.

 

Manchmal dürften doch Touristen da sein, denn die Kinder wissen schon, dass man nach 1 Dirham fragen kann. So spiele ich mein Spielchen mit ihnen, halte die Hand auf und frage auch nach 1 Dirham, so hartnäckig, entweder laufen sie davon oder lachen sich kaputt, es funktioniert immer.  Im Senegal hatte ich einmal einen Jungen dazu gebracht mir sein ganzes erbetteltes Geld zu geben, aber das ist eine andere Geschichte.

 

Sofort nehmen mich ältere Frauen in Beschlag und zeigen mir ihre Arbeit, Knöpfe nähen für eine Djellaba. Sie drücken mir Nadel und Garn in die Hände, nach kurzer Anleitung nähe ich einen Knopf. Sie haben ihren Spaß dabei und ich bin mir sicher, dass sie meinen Knopf nicht verwenden können.

 

Die Kommunikation funktioniert gut im Ort. Eine andere alte Frau holte mich ab, um mir ihre Wohnung zu zeigen, eine Höhlenwohnung.

 

Ich habe schon gelesen, dass hier noch einige Menschen in Höhen wohnen. Ich wurde eines Besseren belehrt. Es gibt 500 Höhlen, davon mindestens 100 bewohnt. Viele andere werden als Lager oder Handwerksbetriebe verwendet. Von außen ganz unscheinbar mit normaler Tür, irgendwo zwischen den Häusern. Einige schaue ich mir an. Ich bin überrascht, sie sind gemütlich eingerichtet.

 

Nach dem obligatorischen Tee werde ich aufgefordert zum Mitgehen zu einem Fest. Der Weg führt durch schmale Gassen,  dort und da mache ich ein Foto. Ich habe noch keine Ahnung wohin es geht. Von der Ferne höre ich Musik. Ich habe von meinen Gastgebern schon gehört, dass es heute in Beschneidungsfest stattfindet. Genau da gehen wir hin und ich weiß nicht, ob ich das wirklich will. Doch jetzt abhauen, das geht gar nicht.

 

Mit vielen anderen Frauen, wunderschön gekleidet,  sitze ich in einem Festzelt. Auf der anderen Seite warten die Mütter mit ihren kleinen Jungen, bekleidet mit verzierten weißen Gewändern. In der Mitte ist ein Tisch aufgebaut. Einer nach dem andern kommt an die Reihe. Vorher vergnügt, verlassen nach dem Eingriff die Mütter mit ihrem weinenden Kind den Platz. Nach einer Weile verabschiedete ich mich, die Essenseinladung schlug ich dankend aus, ich habe schon einer anderen Einladung zugesagt. Also, verhungern kann man in Marokko nicht, eher das Gegenteil.

 

Unauffällig verdrücke ich mich, ich habe noch einen Besuch bei Kamal vor, spontan und unangemeldet.

 

Das in einem anderen Beitrag. Bis bald.