Oum er Riab

 

 

Oum er Rbia ist einer der zwei längsten und wasserreichsten Flüsse in Marokko. 560 Kilometer soll er lang sein und mündet in der Nähe von Azemmour in den atlantischen Ozean.

 

Auf diesem Weg zum Atlantik wird der Fluss mehrmals gestaut, der größte Stausee ist der Barrage al Massira.

 

Man nimmt an, dass der Name „Oum er Riab“ aus dem berberischen Tamazight stammt und die Übersetzung „Fluss mit vielen Quellen“ heißt.

 

Genau da will ich hin.

 

Mein Weg führt über Ifrane. Ein Ort, den man so nicht erwartet in Marokko. Häuser mit Satteldächern und eine Bauweise wie in unseren Alpen. Auf 1650 Meter ist es für eine halbe Stunde Herbst, die Blätter fallen, in leuchtenden gelb-orange, von den Bäumen.

 

Weiter nach Azrou und kurz danach in Richtung Berge des mittleren Atlas, da liegen diese Quellen. An der schmale Straße, zunehmen schlechter mit riesigen Schlaglöchern und kaputt, scheitert mein Vorhaben. Also, zurück auf die N8 und ein kurzer Blick in die Karte zeigt mir, dass es in der Nähe von Mrirt noch eine Möglichkeit gibt.

 

Auch eine schmale Straße, doch wesentlich besser, führt mich den Berg hinauf und über Serpentinen, mit einem atemberaubenden Ausblick, wieder hinunter ins Flusstal.

 

In einem Olivenhain bei einem Hotel finde ich einen schönen Platz zum Übernachten.

 

Die Quelle besuche ich nächsten Tag.

 

Die selbsternannten Führer, Getränke-Verkäufer, Parkplatz-Einweiser und alles, was sonst noch so rumläuft, stürzen sich auf mich, es waren keine anderen Besucher da. Ich beschließe jemanden auf meine Wanderung mitzunehmen, jedoch gut Ding braucht Zeit. Zuerst fülle ich meine Wasserfaschen bei der Trinkwasserquelle, beobachte die Leute und entschließe mich für denjenigen, der keine Berührungsängste mit meinen Hunden hat. Omar streichelt meine Hunde, gibt ihnen Wasser und ist begeistert von den Beiden.

 

Die Entscheidung war richtig, er ist ein angenehmer Begleiter und erzählt mir viel. Außerdem berücksichtigt er, dass französisch nicht meine Stärke ist, spricht sehr deutlich, einfach und langsam mit mir. So kann ich alles gut verstehen. Es gibt 40 Süßwasserquellen und 7 Salzwasserquellen, die sich in einem Becken treffen. Neben dem Becken sind der Parkplatz und der Ausgangspunkt unserer Wanderung. Es geht steil über Treppen, Felsen nach oben, an dieser Seite sind die Salzwasserquellen. Sie sprudeln einfach an verschiedenen Stellen aus dem Felsen heraus, treffen sich in Becken.

 

Wir müssen das Wasser auf einem wackelig, nassen Holzbalken überqueren, die Hunde weigern sich, ich auch. Der Fluss ist noch schmal, jedoch schon tief und schnell stürzt er sich über kleine Wasserfälle. Ein spektakuläres Schauspiel. Unaufgefordert sucht Omar einen einfacheren Weg für uns. Am Ende der Schlucht fällt ein Wasserfall den Berg herunter, jetzt sind wir an der Seite der Süßwasserquellen.

 

Die ganze Schlucht entlang sind kleine Hütten aufgebaut, die meisten jetzt verlassen. Im Sommer wird hier gekocht, von der guten Tagine bis zum süßen Tee. Viele Marokkaner aus dem Umland nutzen die Gelegenheit in den Becken zu baden. Dann soll es hier so richtig voll sein.

 

Auch ich trinke einen Tee und genieße die besondere Atmosphäre. Es wird ein Teppich ausgebreitet und Kissen und ein Tischchen gebracht. Omar erzählt noch, dass man hier auch zelten kann oder am Parkplatz im Wohnmobil schlafen. Er freut sich das immer mehr Leute den interessanten Ort entdecken, so können die Bewohner etwas Geld verdienen. Ein Wink mit dem Zaunpfahl, dass sein Begleitdienst etwas kostet, jedoch war mir das von vorherein klar.

 

Eine traumhafte Gegend, die außerdem schöne Wanderwege zu Berberdörfern zu bieten hat. Es lohnt sich ein paar Tage zu bleiben.